© Anton Prock 2016
Reliquien Reliquien KIRCHENRUNDGANG
Unter Reliquien (lat. reliquiae = Überreste, Überbleibsel) versteht man die Reste von  Märtyrern, Seligen und  Heiligen, aber auch Dinge, die diese Menschen in ihrem Leben benützt haben, wobei für die Gläubigen diese Reste stellvertretend für sie stehen. Man unterscheidet zwischen Primär- oder Körperreliquien (Knochen, Haare, Zähne, Nägel oder Asche von Heiligen) Sekundärreliquien (Dinge, die ein Heiliger benutzte, etwa Kleidungsstücke, Schuhe, Kreuz etc.) Tertiärreliquien (Gegenstände, die mit der Körper eines Heiligen nach seinem Tod berührt wurde, etwa Tücher, Zettel u. a.). Die Verehrung von Reliquien von Märtyrern  hat schon im 2. Jh. begonnen. Die frühen Christen haben ihre Gottesdienste über den Gräbern der ersten Heiligen gefeiert. Auch heute befindet sich in jedem  Altar, an dem eine  Messe gefeiert wird, mindestens eine Reliquie. Auslöser für die Verehrung von Reliquien waren religiöse, machtpolitische und wirtschaftliche Beweggründe. Indem der Gläubige Reliquien sehen, berühren oder küssen konnte, wurden menschliche Sorgen und Probleme an den Heiligen übermittelt. Die Heiligen galten als Übermittler unserer Gebete und Anliegen bei Gott, denn zu Gott hatten die Menschen keinen direkten Zugang. Aufgrund ihres vorbildhaften Lebens sind sie nach ihrem Tod sofort in den Himmel eingegangen. Die wichtigste Heilige ist  Maria, die Mutter Jesu. Von Reliquien gingen Segen und Heil aus. Wer in der Nähe von Reliquien lebte, betete oder bestattet war, sah sich des Schutzes und der Fürbitte des verehrten Heiligen sicher. Reliquien wurden früher gesammelt und in kostbaren Behältnissen, den Reliquiaren, aufbewahrt, denn die Reliquienverehrung nahm einen besonderse Stellung in der katholischen Religion ein. Je mehr Reliquien jemand besaß, desto mehr Fürbitter hatte er bei Gott und desto sicherer war der Weg in den Himmel. Zudem herrschte auch der Glaube, dass der Besitzer einer Reliquie die geistige Kraft des Verstorbenen übernehmen könne. Die Reliquien bzw. die Heiligen galten als die „Doktoren des Mittelalters“ und jedem Heiligen wurden heilende Kräfte zugesprochen. Da die Medizin wenig auszurichten vermochte, blieben den Gläubigen nur die Heiligen. Für alle Anliegen, Situationen und Dinge des Lebens war ein Heiliger zuständig. Wunder ereigneten sich meist direkt an Wallfahrtsorten. In diesem Zusammenhang ist auch das  Wallfahrts- und Pilgerwesen zu sehen. Die Menschen des Mittelalters glaubten, dass Reliquien vor bösen Geistern und dem  Teufel sowie vor Krankheiten schützten und ihrem Besitzer Ansehen, Wohlstand und Macht  verschaffen konnten. In fast jeder Kirche wurde eine Reliquie verehrt. Im Turiner Dom wollten die Gläubigen das Grabtuch Christi sehen, in Aachen verehrte man ein Lendentuch Christi und ein Gewand von Johannes dem Täufer. Solche Reliquien lockten zahlreiche Gläubige an, die sich wahre Wunderdinge von den Resten der Heiligen versprachen. Herrscher sammelten Reliquien um damit nachzuweisen, dass sie in der Gnade Gottes standen. Es bildete sich ein intensiver Reliquienhandel aus. Kleine Schreine mit Erde aus dem Heiligen Land, Fläschchen mit Blut, das angeblich von einem heiligen Leichnam stammte, und ähnliche Reliquien wurden Massenware. Der betrügerische Handel blühte. Die Kirche verurteilte zwar teilweise den Reliquienhandel und verbot ihn zeitweise, machte aber großen Profit damit. Wallfahrten und Pilgerfahrten zeigten auch wichtige wirtschaftliche Aspekte. Durch die Gewinnung von  Ablässen wurde der Wallfahrtstourismus auch ein einträgliches Geschäft für Wallfahrtsorte,  Klöster, Kirchen. Unter Ablass versteht man den teilweisen oder vollständigen Nachlass von Sündenstrafen aufgrund von guten Werken. Meist war damit auch die Abgabe von Almosen verbunden.
Selige Heilige Märtyrer